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  • vor 2 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Er wollte nur eben über den Baumstamm…

und dann kam dieser Satz






Kennst du diesen Moment:

Du beobachtest eine Situation - ganz nebenbei.

Bei anderen Menschen.

Und dann passiert etwas - und zack:


Mist, das hätte auch ich sein können.


Ich fasse mir an die eigene Nase.

Schlechtes Gewissen steigt auf.


Aber von vorn...


Herrlicher Tag.

Wir sind auf Safari-Wanderung.

Elefanten, Löwen, Zebras, Giraffen…

Mein Herz – und das meiner Kinder – springen vor Glück.

Der Tag könnte kaum besser sein.

(Naja… vielleicht mit ein bisschen mehr Sonne)


Alles ist voller Abenteuer für die Kinder:

Klettermöglichkeiten, spannende Parcours, Spielplätze…

ein absolutes Kinderparadies


Und dann DAS.

Ein kleiner Junge.

Vielleicht 3 oder 4 Jahre alt.

Er steht vor einem dieser Parcours.

Balanciert.

Ein Fuß vor den anderen.

Die Hände greifen gleichzeitig an einem Seil entlang.


Ich denke nur:


Wow.


Ganz ehrlich:

Meine Trainings starten ab Vorschulalter – alles davor ist motorisch oft noch zu herausfordernd.

Und dieser kleine Zwerg?


Macht gerade Bewegungen fürs Gehirn, die für sein Alter unglaublich anspruchsvoll sind.


Vor ihm:

kleine Hürden.

Zum Drübersteigen.

Er schaut zu seinem Papa:


„Papa, schau mal!“


So viel Stolz in diesem einen Satz, als hätte er gerade den Nobelpreis fürs Klettern gewonnen.

Papa schaut. Lächelt. Nickt.


Alles gut. Alles easy. Einfach ein schöner Tag.


Dann: zack


Er kippt bei der ersten Hürde runter.


Papa:

„Ja sehr gut, ABER du musst das Bein auf die andere Seite machen, dann klappt’s.“


Der Kleine probiert es.


„Nein, nicht so. Nimm dein Bein jetzt auf die andere Seite. Nur so wird es gehen.“


Noch ein Versuch.


zack.

Wieder runter.


Ich steh da und denke:


Ja lieber Papa… vielleicht klappt’s bei dir so…

aber dein Sohn hat kürzere Beine… und probiert gerade einfach seinen Weg.


Aber Ehrlich gesagt:


Wayne.

Er probierts.

Papa ist aktiv dabei.


Hauptsache, er macht weiter.

Hauptsache, er hat Spaß.


Aber Papa wird langsam ungeduldig.


„Nimm jetzt endlich dein Bein auf die andere Seite. Dann schaffst du es auch endlich!“


Und dann kommt dieser Satz.

„Ich schaff das nicht.“


Er steigt ab.

Gibt auf.

Nimmt die Hand seines Papas.

Und beide gehen weiter.


Und mich hats kalt erwischt.

Dieser Satz.... ich hasse ihn.


Ich wäre am liebsten hingegangen.

Hätte mir den Zwerg geschnappt und gesagt:


„Du schaffst das aktuell NOCH nicht.

Aber probier dich aus, bis es klappt.“


Und nein – das war keine böse Absicht vom Papa.

Ganz im Gegenteil.


Solche Geistesblitze treffen mich oft bei anderen.

Bei mir und meinen Jungs?

Ich will ehrlich zu dir sein... auch ich bin keine perfekte Mom.


Du weist was ich meine, oder?


„Ach komm, ich mach das schnell selbst.“

„Das dauert mir jetzt zu lange.“

„So wird das nichts, mach’s so wie ich dir sage.“


Der Küchenklassiker: „Och nö… wenn er jetzt Pfannkuchen macht, ist alles dreckig – ich mach’s lieber selbst.“

Nicht böse gemeint.

Sondern einfach… Alltag.


Und in der Schule passiert leider das gleiche.

Vorgaben.

Alles muss so gemacht werden, wie es erklärt wird.


Mein Sohn hatte Schwierigkeiten beim schriftlichen Subtrahieren mit Übertrag.


"Weist du Mama, ich kapier das einfach nicht - ich rechne das halt im Kopf, dann stimmt das Ergebnis doch auch".


Na klar.

Darf er bei mir. Als ob mich das stört, WIE er zum Ergebnis kommt.

Viele Wege führen nach Rom.


Aber die Schule?

Sieht das leider anders.


Wir geben den Kindern gar keinen Raum, ihr Gehirn selber zu benutzen.

Nachzudenken.

Eigene Wege zu finden.

Fehler zu machen.

Herauszufinden, was für sie funktioniert.


Und genau da passiert aber leider etwas Entscheidendes:


Wir trichtern – leider – ohne es zu wollen, Zweifel ein.

Nicht laut.

Nicht sichtbar.

Nicht sofort.

Und schon gar nicht mit Absicht!


Aber es passiert.

Ganz leise entsteht da etwas im Kopf unserer Kinder.


„Ich kann das eh nicht.“

Nicht als bewusster Gedanke.

Sondern als Gefühl.

Und irgendwann…

sitzt du mit deinem Kind bei den Hausaufgaben.


Du erklärst.

Hilfst.

Zeigst den Weg.


Und dann kommt genau dieser Satz:

„Ich kann das nicht.“

Und vielleicht denkst du:

„Wir haben das doch schon gemacht…“ „Ich hab dir das doch erklärt…“


Aber in Wirklichkeit passiert gerade etwas ganz anderes.


Dein Kind sagt nicht

„Ich verstehe die Aufgabe nicht.“

Dein Kind sagt:

„Ich zweifle an mir.“


Und jetzt kommt das Wichtigste


Bevor du jetzt denkst:

„Oh no… habe ich meinem Kind schon Zweifel eingepflanzt?“

Nein.


Du hast nichts ruiniert. Keine Panik.

Denn das Gehirn ist kein fertiges System.


Es ist wie ein Muskel.

Oder wie ein kleines Programm, das sich ständig weiterentwickelt.

Und genau das ist das Schöne:

Es kann sich verändern.

Ganz nebenbei.


Kleine Sätze – große Wirkung


Wenn dein Kind sagt:

„Ich kann das nicht“

Dann brauchst du keine lange Erklärung.


Nur ein kleines Wort:

„…noch nicht.“


Und plötzlich entsteht Raum.


Und das Schöne ist:

Das wirkt nicht nur bei deinem Kind.

Auch bei dir.

Aus: „Das schaffe ich nicht“

wird: „Ich schaffe das noch nicht.“


Und ganz leise entsteht mehr:

Ruhe

Vertrauen

Zuversicht


Eine kleine Idee für euren Alltag


Vielleicht magst du daraus ein kleines Ritual machen.

Abends.

Ganz entspannt.

Sprecht gemeinsam ein paar Sätze:


„Ich kann neue Dinge lernen.“

„Ich darf Fehler machen.“

„Ich kann Dinge noch nicht – aber ich lerne sie.“

„Ich werde jeden Tag ein kleines bisschen besser.“


Mit der Zeit speichert sich genau das im Kopf ab.

Und ersetzt nach und nach diesen alten Satz:

„Ich kann das nicht.“


Und genau da passiert Veränderung


Nicht in großen Momenten.

Sondern in den kleinen.

Im Alltag.

Im Vorbeigehen.

Im Nebenbei.

Und plötzlich steht da wieder ein Kind…

das sagt:

„Ich probier’s nochmal.“



3 Dinge, die du heute ausprobieren kannst


1. Hör genau hin

Achte darauf, wie dein Kind über sich selbst spricht


2. Ergänze ein „noch“

Aus „Ich kann das nicht“ wird:

„Ich kann das noch nicht“


3. Lass den Weg offen

Nicht sofort korrigieren.

Nicht sofort lösen

sondern Raum lassen



Und genau darin liegt ja auch unser Wachstum – beim nächsten Mal ein kleines bisschen bewusster zu handeln.



Lerne leichter. Lerne mit Freude.

Deine Natalie 🚀

 
 
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