- 8. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Mein Kind will keine Hausaufgaben machen
– oder warum selbst erwachsene Manager
plötzlich ihre Küche putzen

Die Aufgabe: Steuererklärung.
Der Plan: Heute wird sie endlich erledigt.
Der Mann: Thomas, 42, Projektleiter.
Organisiert. Verantwortungsbewusst. Erfolgreich im Job.
Also eigentlich jemand, der Dinge erledigt.
Samstagmorgen.
Thomas sitzt am Küchentisch.
Laptop offen.
Steuerprogramm gestartet.
Alles ist vorbereitet.
Er schaut auf den Bildschirm.
Stille.
10:07 Uhr.
Thomas steht auf.
"Ich hol mir kurz noch einen Kaffee."
10:14 Uhr.
Er setzt sich wieder.
Öffnet die erste Seite.
„Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit“
Er schaut darauf wie auf eine Bedienungsanleitung für ein Raumschiff.
10:16 Uhr.
Er steht wieder auf.
"Ich bring kurz den Müll raus."
Der Müll war eigentlich gar nicht voll.
10:32 Uhr.
Thomas sitzt wieder.
Jetzt passiert etwas Faszinierendes.
Ein Mann,dessen Küchenschublade sonst aussieht wie ein archäologisches Fundgebiet,beginnt plötzlich
freiwillig zu sortieren.
Batterien.
Kabel.
Alte Quittungen.
Sehr gründlich.
Sehr motiviert.
Alles wirkt produktiv.
Nur eines passiert nicht:
Er beginnt nicht mit der Steuer.
11:03 Uhr.
Thomas googelt:
"Wie reinigt man eine Tastatur richtig?"
11:18 Uhr.
Er schaut YouTube Videos über Produktivität.
Ironischerweise,um genau der Aufgabe zu entkommen,die er eigentlich erledigen wollte.
12:04 Uhr fragt seine Frau:
„Na, wie weit bist du?“
Thomas antwortet:
"Ich bereite mich mental vor."
Und genau hier liegt der entscheidende Punkt.
Thomas hat kein Steuerproblem.
Thomas hat ein Gehirnproblem.
Kommt dir das bekannt vor?
Vielleicht nicht bei der Steuer.
Aber vielleicht bei:
unangenehmen Aufgaben,
großen Projekten,
komplizierten Entscheidungen.
Denn wenn unser Gehirn sieht:
zu groß
zu kompliziert
zu viele Schritte
Fehler möglich
Dann aktiviert es ein uraltes Programm:
Vermeidung.
Nicht Faulheit.
Selbstschutz.
Das Gehirn versucht nicht zu sabotieren.
Es versucht zu schützen.
Denn das Gehirn liebt:
Übersicht
kleine Schritte
Erfolgserlebnisse
Seine Frau setzt sich irgendwann neben ihn und sagt:
„Mach doch erstmal nur deinen Namen rein.“
Nur das.
Nicht alles.
Nur den Anfang.
Thomas setzt sich.
Tippt.
Fertig.
Pause.
"Okay… das ging ja."
Dann die Adresse.
Dann die Bankdaten.
Dann der Arbeitgeber.
45 Minuten später ist alles erledigt.
Nicht weil Thomas plötzlich mehr Motivation hatte.
Sondern weil jemand die Aufgabe machbar gemacht hat.
Und genau das passiert auch bei Kindern.
Was Hausaufgaben und Steuererklärungen gemeinsam haben?
Zum einen sind beides langweilige und eintönige Aufgaben, die erledigt werden müssen.
Ich kenne ehrlich gesagt kaum ein Kind das "Juhu" schreit, wenn es Hausaufgaben machen soll, genauso wenig einen Erwachsenen, dessen Dopaminspiegel steigt, wenn er das Wort "Steuererklärung" hört.
Es sind nun mal langweilige, eintönige Aufgaben.
Ein Blatt.
Schwarz/weis gedruckt.
Am Tisch.
Stillsitzen.
Öde.
Das gleiche natürlich mit der Steuererklärung.
Zum anderen ist es aber trotzdem oft kein Motivationsproblem, wenn Kinder keine Hausaufgaben machen wollen.
Sondern genau das gleiche, was bei Thomas passiert ist:
Die Aufgabe fühlt sich zu groß an.
Zu unklar.
Zu schwer.
Das Gehirn sagt dann:
"Später."
Oder:
"Ich kann das nicht."
Was oft bedeutet:
"Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll."
Genau das berichten mir übrigens viele Eltern in meinen Coachings.
Und ich sehe es auch immer wieder in meinen Trainings:
Kinder blockieren nicht, weil sie faul sind.
Sie blockieren, weil sich Lernen gerade zu groß anfühlt.
5 Dinge, die wirklich helfen, wenn Kinder blockieren
Diese Dinge wirken nicht, weil sie Druck erhöhen.
Sondern weil sie das Gehirn unterstützen.
1. Erst bewegen – dann lernen
Viele Kinder kommen aus der Schule und sollen direkt weiter still sitzen.
Dabei ist ihr Gehirn noch im Aktivmodus.
Schon 2 Minuten helfen:
Überkreuzbewegungen.
Hampelmänner.
Balancieren.
Kurz draußen laufen.
Danach fällt der Einstieg oft deutlich leichter.
Das unterschätzen viele.
2. Aufgaben kleiner machen
Nicht:
"Mach deine Hausaufgaben."
Sondern:
"Wir machen erstmal nur Aufgabe 1."
Das verändert die Wahrnehmung komplett.
Das Gehirn denkt nicht mehr:
"Zu viel."
Sondern:
"Das schaffe ich."
Und oft passiert dann genau das, was auch bei Thomas passiert ist:
Der Rest läuft plötzlich leichter.
3. Den Start erleichtern
Der schwierigste Teil ist fast immer:
Der Anfang.
Wenn der Start geschafft ist, arbeitet das Gehirn oft freiwillig weiter.
So wie bei Thomas.
Manchmal reicht schon:
„Ich bleibe kurz bei dir bis du gestartet bist.“
Das gibt Sicherheit.
Und Sicherheit hilft beim Lernen.
4. Erfolge sichtbar machen
Kinder brauchen das Gefühl:
Ich kann das.
Nicht:
Ich bin falsch.
Schon kleine Sätze helfen:
"Du bist dran geblieben."
"Das war ein guter Schritt."
"Sehr gut - ich wusste du kannst das"
Das verändert Motivation nachhaltig.
5. Den Druck rausnehmen
Je größer der Druck, desto größer die Blockade.
Je machbarer die Aufgabe, desto leichter der Start.
Das gilt für Kinder.
Und für Erwachsene.
Und wenn das Kind wirklich hartnäckig verweigert, trotz allen Bemühungen?
Wayne,
dann probiert es zu einem anderen Zeitpunkt.
Versucht gemeinsam herauszufinden, wann die Motivation besser da ist.
Mein Sohn hat seine Hausaufgaben öfters mal sogar morgens gemacht.
Er war direkt nach der Schule einfach zu k.o. und nicht aufnahmefähig.
Wir haben eine Zeitlang vereinbart, dass er dann morgens früher aufsteht und die Aufgaben erledigt, bevor er in die Schule geht.
Hat super geklappt.
Das "Ausschlafen" war irgendwann wieder wichtiger.
Er hat es selbst gemerkt.
Wollte wieder mittags seine Aufgaben machen.
An manchen Tagen macht er sie lieber abends.
Dann muss er halt früher vom Spielen nach Hause kommen.
Macht ihm auch nicht immer Spaß.
Aber er darf selbst mit Entscheiden, und das stärkt die Motivation zusätzlich!

LernRaketen-Impuls
Kinder sind nicht weniger motiviert als Erwachsene.
Sie reagieren nur genauso.
Wenn etwas zu groß wirkt, schiebt das Gehirn auf.
Wenn etwas machbar wirkt, beginnt es.
Motivation entsteht oft nicht durch Druck.
Sondern durch einen guten Start.
3 Dinge, die du heute ausprobieren kannst:
• Erst Bewegung, dann Hausaufgaben
• Nur mit der ersten Aufgabe beginnen
• Kleine Erfolge sichtbar machen
Das reicht oft schon für einen besseren Start.
Ein letzter Gedanke
Wenn dein Kind Hausaufgaben vermeidet, ist es vielleicht gar kein Widerstand gegen Lernen.
Vielleicht ist es einfach nur ein Gehirn, das gerade denkt:
"Das ist mir zu groß."
Und manchmal reicht dann eine kleine Veränderung.
Nicht: "Mach alles."
Sondern: "Lass uns anfangen."
Denn oft ist nicht die Aufgabe das Problem.
Sondern der Start.
Lerne leichter. Lerne mit Freude.
Deine Natalie
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