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  • 13. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Syntax, Semikolons und ein großes Fragezeichen im Kopf - Warum dein Kind manchmal nur „Bahnhof“ versteht





„Okay, pass auf… Syntax ist eigentlich ganz einfach.“


Ich weiß noch genau, wie ich ihn anschaue.

Und innerlich denke:

Bitte nicht… ich werde gleich nichts verstehen.


Wir sitzen am Esstisch.

Zettel.

Stift.

Zwei Kaffeetassen – meine ist schon halb kalt.


Mein Mann ist in seinem Element.

Du kennst diesen Blick, oder?


„Ich erklär dir das jetzt und danach wirst du begeistert sein.“


Ich lehne mich zurück.

Na gut… ich geb mein Bestes.


„Also… du willst das Programm schreiben "Hallo Welt".“


Ich nicke.

"Hallo Welt" da draußen.

Programmieren.

Klar.

Warum nicht?!?!


„Dafür musst du dem Computer sagen, was er machen soll.

Syntax ist quasi die Sprache, die der Computer versteht.“


Ich nicke.

Natürlich nicke ich.

Sprache.

Versteh ich.


„Und wenn du zum Beispiel einen Befehl schreibst…“– er tippt etwas –„…dann muss der genau richtig aufgebaut sein.“


Er dreht den Laptop ein Stück zu mir.


Da stehen:

Zeichen.

Normale Klammern.

Geschwungene Klammern.

Punkte.

Semikolon.

Irgendwelche Wörter.


Das sieht kompliziert aus.

Warum stehen da so viele Klammern?

Was passiert, wenn man eine vergisst?

Was soll denn dieses Semikolon da immer?

Bin ich die einzige, die gerade "lost" ist?

Und was passiert, wenn… ach egal…


„Wenn du zum Beispiel das Semikolon hier weglässt…“ – er zeigt auf eine Stelle –

„…dann funktioniert der ganze Code nicht mehr.“


Ich schaue ihn an.

Dann wieder auf den Bildschirm.

Dann wieder ihn.

Ein Punkt entscheidet, ob alles funktioniert?!


„Also verstehst du?“


Er schaut mich erwartungsvoll an.

So richtig erwartungsvoll.


Ich lächle.

„Ja… also… irgendwie schon.“


Er freut sich.

Natürlich freut er sich.


„Siehst du, ist doch ganz logisch!“


Und in meinem Kopf passiert Folgendes:


Ganz logisch???

Welcher Trottel hat sich denn diese Sprache ausgedacht???

Ich habe absolut keine Ahnung, was gerade passiert ist.



Original habe ich es so mit Meinem Mann erlebt.

Ich:

Abiturientin

Informatik Klasse

Kein Plan von gar nichts


Mein "Nachhilfelehrer":

Mein Mann

IT Systemingenieur

Hoch intelligent


Und ich kam mir vor wie der dümmste Mensch auf Erden.

Als wäre ich auf einem anderen Planeten gelandet.



Und genau da sitzt dein Kind


Nur ohne höfliches Lächeln.

Dein Kind sitzt da, du erklärst etwas

– vielleicht Mathe, vielleicht Lesen –

und dein Kind denkt:


Was bedeutet das alles?

Warum ist das so kompliziert?

Und warum verstehen das alle außer mir?



Was hier wirklich passiert


Mein Mann erklärt mir das logisch.

Für ihn ergibt alles Sinn.


Für mich?

Es sind Zeichen ohne Bedeutung.


Und genau das passiert beim Lernen mit Kindern.

Wir erklären Dinge, die für uns klar sind.

Und vergessen dabei:


Für Kinder ist das oft eine komplett neue „Sprache“.



Der Moment, der alles verändert


Irgendwann sage ich:

„Kannst du mir das einfacher erklären?“


Er überlegt kurz.

Dann lächelt er.


„Okay… stell dir vor, du sprichst mit jemandem.“


Ich bin sofort da.

Mit jemandem sprechen kenne ich.


„Wenn du sagst: 'Ich gehe jetzt nach Hause‘ versteht dich jeder.“

„Aber wenn du sagst: ‚Gehe ich jetzt Hause nach‘

…klingt das komisch, oder?“


Ich lache.

„Ja, total.“


„Und genau das ist Syntax.“

„Die richtige Reihenfolge, damit dich jemand versteht.“


Und plötzlich:

"Ahhhhhhh."


Nicht wegen der perfekten Erklärung.

Sondern weil ich es fühlen konnte.



Genau das brauchen Kinder


Kinder brauchen keine perfekten Erklärungen.

Sie brauchen:


Bilder

Vergleiche

echte Situationen

Etwas, das für sie Sinn ergibt.



Und dann passiert noch etwas Wichtiges


Während ich da sitze…spiele ich mit dem Stift…schaue weg…

Und genau das würde in der Schule oft heißen: „Nicht konzentriert“

Dabei passiert gerade das Gegenteil.


Während ich da sitze…

spiele ich mit meinen Händen...

spiele ich mit dem Stift...

schaue weg...

verändere meine Sitzposition...


Mein Mann sagt:

„Bleib mal kurz dabei.“


Und ich denke:

Ich bin doch dabei…

ich versuche es nur zu verstehen.


Genau das passiert bei Kindern jeden Tag.


In der Schule würde ich abgestempelt werden:

"Unkonzentriert"


Dabei passiert genau das Gegenteil!

Bewegung ist kein Desinteresse.

Es ist oft der Versuch, mitzudenken.



Der entscheidende Perspektivwechsel


Zu 95% liegt es gar nicht daran, dass dein Kind nicht lernen will.

Glaub mir, ich wollte dieses Syntax Gebrabbel auch wirklich verstehen.

Meine Abi Note hing davon ab.


Dein Kind will es auch verstehen.

Seine Note hängt davon ab.

Es will gut sein.

Will sein Bestes geben.


Aber es versteht die Sprache einfach noch nicht.


Für die Kinder sieht etwas neues lernen ungefähr so aus:


家庭作業很無聊

Jiātíng zuòyè hěn wúliáo


Stell dir vor, du müsstest jeden Tag da sitzen.

Und jemand erklärt dir Dinge, die genauso aussehen.

Eine Sprache, die du noch gar nicht richtig kannst.


Und sagt dabei:

„Das ist doch gar nicht schwer.“

"Wieso kapierst du das nicht?"

"Bist du denn zu blöd ?!"


Ich glaube ich muss nicht implizit erklären, wie sich das anfühlt.


Auch wir Erwachsenen tun uns mit neuen Dingen unglaublich schwer.

Wenn man es genau nimmt, braucht unser Gehirn sogar viel länger,

um etwas neues fest zu verankern.

(Denke an deine Eltern - können sie genauso gut mit dem Computer umgehen wie du?

Viele aus der älteren Generation haben es nie verstanden, wie man eine einfache E-Mail schreibt)



Dein Kind ist also nicht unkonzentriert.

Nicht faul.

Nicht schwierig.


Es sitzt vielleicht einfach nur da und denkt:

„Ich verstehe gerade nur Bahnhof.“


Und genau da beginnt Veränderung.

Wenn wir anfangen, Dinge so zu erklären, dass Kinder sie wirklich verstehen können.

Mit Bildern.

Mit Gefühl.

Mit echten Beispielen.


Dann wird aus „Bahnhof“ plötzlich:

„Ahhh… jetzt verstehe ich’s.“ 


Wie Lernen im Gehirn wirklich funktioniert 

–und warum genau solche Momente völlig normal sind -

erfährst du hier:




3 Dinge, die du heute ausprobieren kannst:


1. Erklär es mit einem Bild


Bevor du etwas erklärst, frag dich kurz:

„Wie könnte ich das als Bild erzählen?“


Zum Beispiel:

Mathe wird zur Geschichte

Rechtschreibung zu kleinen Bildern

Regeln zu Situationen aus dem Alltag

Denn für Kinder gilt oft: Was ich mir vorstellen kann, kann ich auch verstehen.


2. Mach aus Lernen ein kleines Erlebnis


Statt dass nur du zu erklären versuchst,

lass dein Kind versuchen, es dir zu erklären (Rollentausch).


3. Beobachte statt zu bewerten


Wenn dein Kind heute sagt:

„Ich versteh das nicht“

oder unruhig wird, sich bewegt, abschweift…

Dann versuch einmal nicht sofort zu korrigieren.


Sondern denk dir:

„Was fehlt ihm gerade, um es zu verstehen?“

Denk daran: manchmal ist es kein „Nicht-Wollen“

sondern einfach ein „Noch-nicht-Verstehen“.


Und vielleicht passiert heute genau dieser Moment:

„Ahhh… jetzt verstehe ich’s.“

Und dann weißt du: Du bist genau auf dem richtigen Weg.



Und wenn du Ideen brauchst, wie du etwas verständlich und mit Spaß erklären kannst ...


dann findest du in meinem Kurs KopfKlar viele einfache Wege,

die deinem Kind wirklich helfen, sich Dinge leichter zu merken.





Lerne leichter. Lerne mit Freude.

Deine Natalie 🚀

 
 
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